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Journalismuskurs

Diese Journalismus-Einführung wurde für einen Kurs mit erwachsenen Asyl Suchenden bei WORKFARE, Ausbildung und Beschäftigung, erstellt. Er eignet sich auch für die Schule und Vereine.


Inhalt


© Stefan Bucher, Juni 2001


Die Zeitung

Was erwarten wir von einer Zeitung?

Die Zeitung muss
• informieren (uns sagen, was für uns neu ist)
• auswählen (uns sagen, was wichtig ist und was nicht)
• unsere Neugierde stillen (uns sagen, wie andere Leute leben)
• unterhalten (uns zum Lachen bringen, Spass machen)

Was ist die Arbeit der Journalistin/des Journalisten?

Die Journalistin/der Journalist
• sammelt Informationen
• sortiert sie
• und gibt sie an die Leute weiter.

Was sind Informationen?

Informationen sind:

• Nachrichten
• Sportresultate
• Forschungsergebnisse
• Persönliche Meinungen
• Geschichten von Menschen
• Wettervorhersage
• Fernsehprogamm
• Klatsch
• u.s.w.


Die Nachricht

Was ist eine Nachricht?

Eine Nachricht (engl. «News») ist, was

• neu weil bis jetzt unbekannt ist
• neu weil ungewöhnlich ist
• neu weil überraschend ist
• neu weil kurios ist

Eine Nachricht wird als «wichtig» eingestuft, wenn sie

• in unserer Nähe passiert
• jeden von uns betreffen könnte
• etwas mit einer grossen Persönlichkeit zu tun hat

Nachrichtenformen

Die journalistischen Nachrichtenformen sind

• Kurznachricht
• Meldung
• Bericht

Kurznachricht

Die Nachricht besteht nur aus wenigen Sätzen. Das Ereignis wird als nicht so wichtig eingestuft. Oft übernehmen die Zeitungen diese Nachrichten von Nachrichtenagenturen (=Agenturmeldungen).

Meldung

Die Meldung ist ausführlicher als eine Kurznachricht. Meistens wird der Inhalt einer Agenturmeldung oder einer Pressemitteilung (von einer Firma oder einer Behörde) von der Zeitung leicht abgeändert oder erweitert.

Bericht

Die Nachricht hat einen «Aufhänger». Der Aufhänger ist eine

• Eigenleistung
• Medienkonferenz
• Unfallmeldung
• Medienmitteilung
• Agenturmeldung.

Der Aufhänger muss den Kriterien für «News» entsprechen.

Eigenleistung

Eine Journalistin/ein Journalist der Zeitung hat selber zu einem Thema recherchiert. Was sie/er herausgefunden hat, kommt in einem Bericht in der Zeitung.

Medienkonferenz

Eine Firma, eine Partei, eine Organisation oder einzelne Personen laden alle Medien zu einer Medienkonferenz ein. Die Journalisten berichten, was gesagt wurde. Sie können selber weitere Fragen stellen. Oft löst eine Medienkonferenz auch weitere Recherchen der Journalistin/des Journalisten aus.

Kurznachrichten, Medienmitteilungen und Agenturmeldungen können auch Aufhänger für einen Bericht sein.

In einem Bericht werden mehrere Leute zitiert (Befürworter und Gegner). Das Thema wird von mehreren Seiten beleuchtet (Pro und Kontra).

Wie ist eine Nachricht aufgebaut?

Kurznachricht, Meldung und Bericht sind alle nach dem gleichen Muster aufgebaut:

Das Wichtigste zuerst!

Das Wichtigste, das heisst:
• die «News» zuerst

Dann folgen Zusatzinformationen, die klar machen, in welchem Zusammenhang das Ereignis steht.
Nachrichtentexte sind kurz und bündig. Sie erklären komplizierte Zusammenhänge in einfachen Sätzen.

Zitieren - Zitate

Zitate sind Aussagen von Personen in direkter oder indirekter Rede.
Die Journalistin/der Journalist schreibt, was eine Person «ins Mikrofon» gesagt hat. Beim Radio spricht man von «Original-Ton» (O-Ton).

Wer spricht?

Bei jedem Zitat muss klar sein, wer etwas sagt.
Die Person wird mit Name und Beruf (Funktion) vorgestellt.


Die Recherche

Recherchieren heisst

• «nachforschen»
• Informationen sammeln

Von wem erhalten Journalistinnen/Journalisten ihre Informationen?

Auskunft geben

• Fachleute
• Vereine
• Behörden
• Pressestellen
• Nachrichtenagenturen
• Nachschlagewerke
• Archive
• Telefonbuch
• Internet

Was fragen Journalistinnen/Journalisten?

Die 7 W-Fragen:

• Wer?
• Was?
• Wo?
• Wann?
• Wie?
• Warum?
• Welche Quelle? (Woher kommt die Information?)

Das Recherchegespräch

Die Journalistin/der Journalist weiss selber noch nicht so viel zu einem Thema und möchte sich in einem Gespräch zuerst einmal genauer informieren.
Oder sie/er weiss selber schon viel und kann kritische Fragen stellen.
Die Journalistin/der Journalist muss sich gut auf das Recherchegespräch vorbereiten. Das Recherchegespräch findet am Telefon oder bei einem persönlichen Treffen statt. Wenn ein Gesprächspartner wenig Zeit hat, kann man die Fragen auch schriftlich per Fax oder per Post an den Gesprächspartner richten.

Wichtig:

• Rechtzeitig einen Termin für das Gespräch abmachen
• Termin einhalten (nicht zu spät kommen!)
• Freundlich sein
• Die Gesprächspartner nicht mit unnötigen Fragen aufhalten

Hilfsmittel

Die Journalistin/der Journalist ist immer ausgerüstet mit

• Schreibzeug
• Notizblock

Die Journalistin/der Journalist macht sich im Recherchegespräch Notizen.
Was soll notiert werden?

Die Journalistin/der Journalist schreibt auf:

• neue Informationen
• was ihr/ihm «wichtig» scheint
• starke Aussagen (sie können als Zitat verwendet werden)
• Beobachtungen (wie verhält sich der Gesprächspartner?)

Ein längeres Gespräch kann auch auf ein Tonband aufgenommen werden. Aber nur, wenn der Gesprächspartner darüber informiert ist.
Aus den Notizen erstellt die Journalistin/der Journalist ein Rechercheprotokoll. Es garantiert einen schnellen Zugriff auf die ermittelten Informationen.

Checkliste Recherchegespräch

• Habe ich die richtige Person gefunden?
• Habe ich einen Termin für das Gespräch abgemacht?
• Weiss ich genug zum Thema?
• Was will ich genau wissen?
• Habe ich auch kritische Fragen?


Das Interview

Das Interview ist ein Frage-Antwort-Spiel

Das Interview ist nicht das gleiche wie das Recherchegespräch. Im Recherchegespräch wird nach Fakten, Sachinformationen gefragt. Nicht so im Interview.

Was wird im Interview gefragt?

Im Interview fragt die Journalistin/der Journalist nach

• Meinungen
• Gefühle
• Persönliches


Sachfragen wie «Wieviele Kinder haben Sie?» oder «Seit wann arbeiten Sie in diesem Betrieb?» werden im Recherchegespräch vor dem Interview beantwortet. Die Sachinformationen können in die Interviewfrage eingebaut werden.

Fragen nach der Meinung

Die Journalistin/der Journalist will die Meinung des Interviewpartners wissen.
Sie/Er stellt W-Fragen: "Was meinen Sie dazu?", "Warum ist das passiert?"
Auch Ja-Nein-Fragen sind möglich: "Sind Sie für dieses Gesetz?", "Braucht die Schweiz dieses Gesetz?"

Fragen nach den Gefühlen

Die Journalistin/der Journalist will wissen, was der Interviewpartner empfindet.
W-Fragen: "Wie fühlen Sie sich?", "Was ist Ihr Eindruck?"
Ja-Nein-Fragen: "Macht Sie das traurig?", "Sind Sie enttäuscht?"

Fragen nach dem Persönlichen

Die Journalistin/der Journalist will hinter die Maske des Interviewpartners schauen.
W-Fragen: "Welchen Wein trinken Sie am liebsten?", "Was schenken Sie Ihrem Ehepartner zum Geburtstag?"
Ja-Nein-Fragen: "Singen Sie auch in der Badewanne?", "Wünschen Sie sich auch manchmal, mit niemandem reden zu müssen?"

Ja-Nein-Fragen im Interview

Einer Ja-Nein-Frage kann man nicht leicht ausweichen.
Vielleicht will ein Interviewpartner nie seine Meinung sagen. Er weicht immer aus. Mit einer Ja-Nein-Frage kann die Journalistin/der Journalist den Interviewpartner in die Enge treiben: "Antworten Sie: Ja oder Nein?"

Es ist die Aufgabe der Journalistin/des Journalisten, hartnäckig zu sein, immer wieder nachzufragen, bis der Interviewpartner die Antwort gibt.
Hat der Interviewpartner gute Gründe, warum er die Frage nicht beantwortet (rechtliche, persönliche), so sind diese zu akzeptieren.

Tipps für das Interview

• Bereiten Sie sich so gut wie möglich vor, damit Ihr Gesprächspartner Sie ernst nimmt.
• Führen Sie ein lockeres Gespräch.
• Halten Sie einen Fragenkatalog bereit. Stellen Sie aber auch Zwischenfragen, die Sie nicht vorbereitet haben.
• Fragen Sie präzise.
• Stellen Sie nicht mehrere Fragen auf einmal.
• Machen Sie Notizen.

Der Fragenkatalog

Vor jedem Interview stellt die Journalistin/der Journalist einen Fragenkatalog zusammen.

Die Reihenfolge der Fragen soll so sein, wie in einem natürlichen Gespräch.
Wenn die Journalistin/der Journalist im Gespräch «den Faden verliert» ist der Fragenkatalog eine wichtige Hilfe.
Die Fragen sollten schon sehr präzise formuliert sein.

Der Fragenkatalog ist aber nur ein Hilfsmittel. Sehr wichtig sind spontane Zwischenfragen, die nicht vorbereitet wurden. So wird das Interview lebendig.

Vom Gespräch zum Text

Das geschriebene Interview muss keinesfalls genau so aussehen wie der Fragenkatalog.
Die Reihenfolge der Fragen (und Antworten) darf umgestellt werden.
Vielleicht hat der Interviewpartner auf eine Frage eine schlechte Antwort gegeben. Dann darf diese Frage weggelassen werden.
Vielleicht hat die Journalistin/der Journalist eine Frage schlecht gestellt. Dann darf diese Frage umgeschrieben werden.

Verschiedene Interviewformen

Es gibt auch Interviewformen, die nicht nach dem gewohnten Frage- Antwort-Spiel aufgebaut sind:

• Steckbrief (Interview als Fragebogen, nicht als Gespräch)
• Umfragen (Interview mit einer Frage und vielen Leuten, die antworten)
• «Outfit» («20 Minuten», Interview mit versteckten Fragen)


Die Reportage

Reportage heisst: "Live" dabei sein.

Die Reportage vermittelt Gefühle und Stimmung. Die Reportage nimmt die Leserin/den Leser auf eine Reise mit, an einen Ort, wo es etwas zu erleben gibt.

Was ist eine Reportage?

Die Reportage ist ein Erlebnisbericht.
Das Thema kann ein Land, eine Stadt, eine Arbeit, eine Gruppe von Menschen, eine Freizeitaktivität, ein Sportereignis sein.

Die drei Elemente der Reportage sind:

• Erlebnis (Handlung, "Live")
• Zitate (Menschen in direkter Rede sprechen lassen)
• Informationen zum Thema

Erlebnisse schildern

Die Journalistin/der Journalist schreibt in der Reportage, was sie/er erlebt. Die Ich-Form ist in der Reportage erlaubt.

Die Journalistin/der Journalist beschreibt sinnliche Wahrnehmungen:
was man mit den Augen sehen kann, was man mit den Ohren hören kann, was man mit der Nase riechen kann, was man mit der Zunge schmecken kann, was man mit den Fingern fühlen kann.

Erzählt wird in der Zeitform des Präsens (Gegenwart). Es wirkt direkt, wie wenn das Erzählte jetzt passieren würde.

Menschen sprechen lassen

Wenn Menschen sprechen, erfährt man viel über ihre Gefühle. Gute Aussagen verstärken den Erlebnisbericht.

Die Personen, die zitiert werden, müssen mit Namen vorgestellt werden. Es muss klar sein, wer wo und warum spricht.

Informationen zum Thema

Zur Reportage gehören Hintergrundinformationen zum Thema, zum Land oder zu den Menschen. Die Fakten machen das Erlebnis klarer. Oder sie zeigen das Gegenteil vom Erlebnis.
Für die Informationen muss die Journalistin/der Journalist recherchieren.

Vorbereitung

Die Journalistin/der Journalist muss zuerst gut recherchieren. Sie/er muss wissen, was sie/ihn erwartet, welche Gefahren lauern, wo der Zutritt verboten ist. Sie/er muss wissen wo und wann sie/er mit Menschen reden kann.

An Ort und Stelle ist es wichtig, dass die Journalistin/der Journalist gut beobachtet, mit Menschen redet und ihnen gut zuhört.

Reportage über eine Person:
Das Porträt

Wenn das Thema einer Reportage eine Person ist, dann spricht man von einem Porträt.
Das Porträt soll etwas vom Charakter, vom Denken und Fühlen der Person verraten.

Die Journalistin/der Journalist besucht die Person und berichtet, was gesprochen wird, wie die Wohnung aussieht, wie die Person sich bewegt und was rund herum alles passiert.

Vielleicht besucht die Journalistin/der Journalist die Person auch an der Arbeit. Sie/er berichtet dann auch davon, was die Person mit den Händen macht, welchen Knopf sie drückt, u.s.w.

Wie beim Interview stellt die Journalistin/der Journalist einen Fragenkatalog zusammen.


Die Redaktion

Die Redaktion ist der Arbeitsort der Redaktorin/des Redaktors.

Das Manuskript

Wenn die Journalistin/der Journalist mit Schreiben beginnt, dann schreibt sie/er ein Manuskript.

Das Manuskript wird am Computer (oder mit Schreibmaschine) geschrieben. Eine Zeile hat so viele Zeichen, wie später in der Zeitung. So kann man kontrollieren, wie lange der Text ist.
Wichtig ist, dass die Journalistin/der Journalist nicht zuviel und nicht zuwenig schreibt. Die Länge (Anzahl Zeichen) muss genau eingehalten werden.

Jeder journalistische Text muss redaktionell bearbeitet werden.

Der Text muss der Sprache der Zeitung angepasst werden.
Die Redaktorin/der Redaktor muss Korrekturen machen und den Text für den Druck fertig machen.

Paratexte

Paratexte sind kurze Texte, die «neben» dem Haupttext stehen.
Die Paratexte sind:

• Lead
• Titel
• Zwischentitel
• Bildlegende

Lead

Zu Berichten, Interviews, Reportagen und Porträts schreibt die Journalistin/der Journalist einen Lead - eine Zusammenfassung des Wichtigsten (meistens fett gedruckt oder kursiv).

Der Lead sagt der Leserin/dem Leser schnell, um was es im Artikel geht. Er muss die Leute zum Weiterlesen anregen.
Wenn der Lead interessant ist, dann lesen die Leute weiter.


Die Sprache im Lead ist knapp. Die wichtigsten W-Fragen werden im Lead beantwortet. Aber nicht alle.
Es muss nicht alles ganz genau erklärt werden, nur angedeutet. Die Erklärung kommt ja dann im Artikel.

Titel

Der Titel sagt, wovon der Text handelt.

Er soll sachlich sein.

Titel dürfen aber auch lustig sein. Wortwitz und Sprachspiele machen Lust zum Weiterlesen.
Oft werden Redensarten und Sprichwörter abgeändert. Das Neue, Unerwartete spricht an.
Solche Titel verstehen aber nicht alle. Es braucht Vorwissen.

Die Titel (und die Schlagzeilen) sind oft "Chefsache", das heisst, der Chefredaktor oder ein spezielles Team von Redaktoren suchen einen guten Titel.

Zwischentitel

Zwischentitel werden gesetzt, um der Leserin/dem Leser beim Lesen zu helfen.
Zwischentitel geben an, was im nächsten Abschnitt kommt.
Zwischentitel unterteilen den Text in Stücke von angenehmer Leselänge. Sie lockern auf.

Zwischentitel sollen beim schnellen überfliegen des Artikels dazu anregen, den Artikel ganz zu lesen.

Bild und Bildlegende

Die Bilder sind das erste, was die Leute in einer Zeitung anschauen.
Sie müssen ansprechen und sie müssen etwas darstellen.

Weil ein Bild nie eine eindeutige Information weitergibt, muss in der Bildlegende stehen, was das Bild sagen will. Bild und Bildlegende dürfen sich nicht widersprechen.

Bild und Bildlegende müssen dazu anregen, den Artikel zu lesen.
Das Bild wird oft unterschätzt. Es ist aber sehr wichtig.
Beim "Tages-Anzeiger" gibt es den Grundsatz: "Bevor der erste Buchstabe geschrieben wird, ist die Illustration (die Frage: welches Bild?) besprochen."

Titel, Lead, Bild und Bildlegende sind ein Team

Sie alle müssen zusammenspielen wie eine Fussballmannschaft. Die Augen der Leserinnen/der Leser werden von einer Position zur anderen gespielt, bis sie im Artikel - im Tor - landen.


Meinungsformen

In diesen Texten dürfen Journalistinnen und Journalisten ihre Meinung sagen. Nur in diesen Texten – das ist der Unterschied zu den Nachrichtenformen.

Die drei wichtigsten Meinungsformen sind:

• Kommentar
• Glosse
• Kolumne

Andere Meinungsformen sind die Kritik und die Analyse.

Wer sagt die Meinung?

Meinungstexte schreiben gewöhnlich die älteren, erfahrenen Journalisten, Ressortleiter oder die Chefredaktoren.

Glossen, Kolumnen und Analysen schreiben oft auch Autoren, die nicht bei der Zeitung arbeiten. Es sind Fachleute, Politiker oder sonst Prominente und im Falle der Glosse Kabarettisten und Satiriker.

Der Kommentar

Im Kommentar schreibt meistens der Chefredaktor/die Chefredaktorin seine/ihre Meinung zu einem aktuellen Thema.
Der Kommentar ist ein zusätzlicher Text zur Berichterstattung im Nachrichtenteil. Die Leserinnen und Leser haben zum Thema schon eine Nachricht oder einen Bericht gelesen.

Der Kommentar bezieht sich also auf eine Nachricht.
Der Autor/die Autorin «kommentiert» das aktuelle Geschehen, er/sie sagt seine/ihre Meinung dazu:
• Das Verhalten von Politikern wird kritisiert
• Die Auswirkungen eines Gerichtsentscheids werden bewertet
• Es wird Freude über ein Sieg ausgedrückt
• Es werden Massnahmen gefordert

Im Kommentar wird die eigene Meinung mit Argumenten gestützt. Es wird aufgezeigt, warum die Meinung der Gegenseite nicht haltbar ist.
Eine Argumentation ist dann gut und glaubhaft, wenn rational, logisch begründet wird, warum man zu der geäusserten Meinung gekommen ist.

Am Ende des Kommentars kann ein Appell stehen, eine Aufforderung zum Handeln. Beispiel: «Treten Sie zurück, Herr Bundesrat!»

Die Glosse

Die Glosse ist ein Text in der Zeitung, der uns zum Lachen bringen will. Die Glosse soll die Leserinnen und Leser unterhalten.

Auch die Glosse hat einen «Aufhänger» – ein aktuelles Thema, das auch in den Nachrichten behandelt wird.
Der Autor/die Autorin der Glosse erzählt so über dieses Thema, dass wir beim Lesen lachen können.

Es wird mit Witz, Ironie, Satire gearbeitet.
Der Autor/die Autorin sagt die Meinung nicht gerade heraus, sondern indirekt, manchmal verdreht durch die Satire.
Die Glosse ist in einer kunstvollen Sprache geschrieben. Es ist nicht eine News-Sprache.
Weil es nicht einfach ist, Witze zu machen, ist die Glosse eine anspruchsvolle Textsorte.

Die Kolumne

Der Gastkolumnist oder die Gastkolumnistin hat die Freiheit, die Meinung so zu sagen, wie er/sie will.

Je nachdem, wer der Autor oder die Autorin ist, sind Kolumnen in sachlicher oder sehr spielerischer Sprache geschrieben. Oft sind Kolumnen fast wie ein Kommentar oder wie eine Glosse.

Die Themen können ebenfalls unterschiedlich sein:
• Politik, Kritik
• Gefühle, Träume
• Szenen des Alltags

Kolumnen werden von den Leserinnen und Lesern sehr geschätzt, weil es jede Woche wieder spannend ist, was der Autor/die Autorin dieses Mal geschrieben hat. Die Autoren und Autorinnen schlüpfen manchmal in eine Rolle, die sie in der Kolumne spielen. Das ist auf jeden Fall sehr unterhaltend.

Die Analyse

Wie der Kommentar legt eine Analyse die Meinungen zu einem Thema argumentativ dar. Sie verzichtet aber auf ein Urteil.

Die Kritik

Die Kritik steht meist im Kulturteil. Die Journalistin/der Journalist sagt ihre/seine Meinung zu einem Konzert, zur Eröffnung einer Ausstellung, zu einer Lesung, zu einem neuen Buch oder Kinofilm.

Die Bewertung/Kommentierung der kulturellen Leistung – das macht den Unterschied zu den anderen journalistischen Textsorten aus. Hier dürfen auch junge Journalisten/Journalistinnen ihre Meinung sagen.

In der Kritik finden sich aber auch die Merkmale des Berichts, der Reportage und des Serviceartikels:
Die Journalistin/der Journalist berichtet über das aktuelle Ereignis des Anlasses, über Fakten zum Künstler und zum Veranstalter. Wie in der Reportage werden Erlebnisse geschildert, Farben, Töne und Gerüche beschrieben, Menschen sprechen.
Service sind dann die Angaben über Spieldaten, Ort, Tickets und so weiter.

Die Meinung muss also durch die Zusatzinformationen und das Erlebnis verständlich gemacht werden. Die Leserinnen und Leser entscheiden, ob sie diese Meinung glaubhaft dargelegt finden. Je nach dem gehen sie dann selber in die Ausstellung oder ins Theater (das bei Vorschauen).


Artikel schreiben

Tipps zum Schreiben

- Am Anfang des Berichts: Direkt zum Thema
- Aktive, konkrete Verben
- Einfache Satzstruktuten mit Subjekt, Verb und Objekt
- Kurze Sätze
- Keine unnötigen Adjektive
- Keine Bewertung im Voraus
- Abwechseln von direkter und indirekter Rede
- Franken, Kilometer und andere Massbezeichnungen ausschreiben
- Zahlen von eins bis zwölf in Buchstaben ausschreiben
- Keine Dr. lic. Jur. hc. und andere solche Titel
- Kein «Herr» und keine «Frau»


Literatur

Journalismus

La Roche, Walter von: Einführung in den praktischen Journalismus.
List GmbH & Co KG, München. ISBN 3-471-78043-2. 1999, 15. Auflage. CHF 27.50

Mast, Claudia (Hg.): ABC des Journalismus. Ein Leitfaden für die Redaktionsarbeit.
UVK Medien Verlagsgesellschaft, Konstanz. ISBN 3896692399. 1998, 8. Auflage. CHF 37.00

Perrin, Daniel Schreiben ohne Reibungsverlust: Schreibcoaching für Profis.
Werd Verlag, Zürich. ISBN 3-85932-319-9. 1999. CHF 49.90

Schlapp, Hermann: Einstieg in den Journalismus. Ein Leitfaden zum Handwerk.
Sauerländer AG, Aarau. ISBN 3-7941-4214-4. 1997. CHF 49.00

Schneider, Wolf; Raue, Paul-Josef: Handbuch des Journalismus.
Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Reinbeck. ISBN 3-499-60434-5. 1998. CHF 16.00

Medien

Ramonet, Ignacio: Die Kommunikationsfalle. Macht und Mythen der Medien.
Rotpunktverlag, Zürich. ISBN 3-85869-185-2. 1999. CHF 34.00
Kursunterlagen Journalismuskurs - Stefan Bucher - 04.09.00 - 7/1

Bourdieu, Pierre: Über das Fernsehen.
edition suhrkamp, Frankfurt am Main. ISBN 3-518-12054-9. 1998. DM 14.80